Bundesnetzagentur veröffentlicht Festlegungsentwurf für neues Netzentgeltsystem

Am 6. August hat die Bundesnetzagentur (BNetzA) den Festlegungsentwurf für das neue Netzentgeltsystem AgNes veröffentlicht. Das Vorhaben sieht eine grundlegende Änderung der Netzentgeltsystematik für Stromnetzkunden vor und soll Anreize für ein flexibleres Verbrauchsverhalten schaffen.

Insbesondere für Industrieunternehmen bedeutet AgNes einen Paradigmenwechsel: Künftig wird nicht mehr allein die maximale Lastspitze maßgeblich für die Höhe der Netzentgelte sein. Stattdessen rückt die strategische Wahl einer geeigneten Bestellkapazität in den Mittelpunkt.

Neue Struktur der Netzentgelte

Das heutige System aus Leistungspreis und Arbeitspreis soll durch drei neue Komponenten ersetzt werden:

  • Kapazitätsnetzentgelt auf die jährlich bestellte Kapazität (mindestens 10 Prozent der Netzanschlusskapazität)
  • Arbeitspreis 1 für Energieverbräuche innerhalb der bestellten Kapazität
  • Arbeitspreis 2 für Verbräuche oberhalb der bestellten Kapazität, der mit 200 bis 350 Prozent des regulären Arbeitspreises deutlich höher ausfallen soll

Durch diese Systematik werden Unternehmen künftig stärker dafür belohnt, ihre Kapazitätsanforderungen gezielt zu planen und vorhandene Flexibilitäten effizient einzusetzen.

Optimale Bestellkapazität wird zum entscheidenden Faktor

Erste Analysen von E-Bridge zeigen, dass die wirtschaftlich optimale Bestellkapazität nicht zwangsläufig der bisherigen Lastspitze entsprechen muss. Insbesondere bei volatilen Lastprofilen kann es wirtschaftlich sinnvoll sein, eine niedrigere Bestellkapazität zu wählen und zeitweise Überschreitungen in Kauf zu nehmen.

Die zukünftigen Netzentgeltkosten werden damit wesentlich stärker von der gewählten Kapazitätsstrategie beeinflusst als von der reinen Vermeidung einzelner Lastspitzen.

Frühzeitig auf AgNes vorbereiten

Der Start des neuen Systems ist derzeit für das Jahr 2029 vorgesehen. Unternehmen sollten die verbleibende Zeit nutzen, um die Auswirkungen auf ihre Verbrauchs- und Kostenstruktur frühzeitig zu analysieren.

Dazu gehören insbesondere:

  • Die Bewertung der individuellen Auswirkungen von AgNes
  • Die Analyse von Lastprofilen zur Ermittlung einer wirtschaftlich optimalen Bestellkapazität
  • Die Identifikation und Nutzung von Flexibilitäten, beispielsweise durch Batteriespeicher oder flexible Lasten

Eine frühzeitige Vorbereitung kann dazu beitragen, wirtschaftliche Potenziale zu erschließen und zukünftige Netzentgeltkosten gezielt zu optimieren.

Sie möchten wissen, welche Auswirkungen AgNes auf Ihr Unternehmen haben könnte? Unsere Expertinnen und Experten unterstützen Sie gerne.

Gerald Blumberg, Dr. Christina Kockel und Christopher Kneip stehen Ihnen für einen Austausch zur Verfügung.

Ihr Ansprechpartner

Christopher Kneip
Senior Consultant