Wie entwickeln sich Gasverteilnetze in einer zunehmend elektrifizierten Energiewelt? Diese Frage stand im Mittelpunkt zahlreicher Gespräche und Diskussionen auf dem DVGW Kongress 2026, an dem E-Bridge Consulting durch Dr. Philipp Heuser und Lorenz Valk vertreten war.
Der Austausch mit Netzbetreibern, Stadtwerken und weiteren Branchenvertretern zeigte deutlich: Die Transformation der Gasverteilnetze ist längst keine Zukunftsfrage mehr, sondern eine konkrete Planungsaufgabe. Im Fokus standen dabei insbesondere drei Themenfelder.
Zum einen wächst der Bedarf an belastbaren Szenarien und klaren Zielbildern. Netzbetreiber benötigen verlässliche Entscheidungsgrundlagen, um Investitionen und Risiken in einem von regulatorischen und technologischen Unsicherheiten geprägten Umfeld bewerten zu können.
Zum anderen wurde die zukünftige Rolle von Wasserstoff und klimaneutralen Gasen intensiv diskutiert. Sie gelten weiterhin als wichtige Bausteine eines klimaneutralen Energiesystems. Gleichzeitig müssen Entscheidungen bereits heute so ausgestaltet werden, dass sie auch bei unterschiedlichen Markt- und Regulierungsentwicklungen tragfähig bleiben.
Darüber hinaus wurde die Bedeutung einer sektorübergreifenden Planung hervorgehoben. Die Transformation von Strom-, Gas- und Wärmenetzen kann nur im Zusammenspiel gelingen. Integrierte Infrastrukturstrategien werden zunehmend zum Erfolgsfaktor für eine wirtschaftliche Energiewende.
Ein weiterer Diskussionsschwerpunkt war die langfristige Zukunft der bestehenden Gasinfrastruktur. Während sich viele Debatten auf die Rolle von Wasserstoff und Biomethan konzentrieren, gewinnt eine andere Fragestellung an Bedeutung: Welche Teile der heutigen Gasnetze werden künftig noch benötigt?
Mit der fortschreitenden Elektrifizierung des Wärmemarktes sinken Anschlusszahlen und Absatzmengen, während ein Großteil der Netzkosten bestehen bleibt. Vor diesem Hintergrund werden gezielte Teilstilllegungen vielerorts als unvermeidbar angesehen. Die Entwicklung praxistauglicher Ansätze zur Risikomitigierung sowie zur geordneten Planung und Umsetzung solcher Maßnahmen dürfte daher künftig stärker in den Fokus der Branche rücken.
Fazit: Die zentrale Herausforderung besteht weniger in der Frage, welche Technologie sich langfristig durchsetzt. Entscheidend ist vielmehr, wie sich bestehende Infrastrukturen robust, wirtschaftlich und klimaneutral weiterentwickeln lassen. Gerade in Zeiten hoher Unsicherheit sind belastbare Entscheidungsgrundlagen und langfristig tragfähige Strategien wichtiger denn je.
Wir bedanken uns beim DVGW sowie allen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern für den offenen Austausch und die wertvollen Einblicke in die aktuellen Herausforderungen der Gasnetztransformation.


