Die Diskussion um marktbasierte Redispatch-Mechanismen in Deutschland ist von teilweise berechtigten, zugleich jedoch häufig stark modellgetriebenen, Bedenken geprägt. Im Mittelpunkt stehen insbesondere potenzielle Risiken wie strategisches Bietverhalten („Inc-Dec-Gaming“) sowie die Ausübung lokaler Marktmacht.
In einem aktuellen Beitrag in der Fachzeitschrift et – Energiewirtschaftliche Tagesfragen ordnen unsere Berater Gerald Blumberg und Christina Kockel diese Kritik gemeinsam mit Kollegen aus Wissenschaft und Praxis ein. Zu den Co-Autoren zählen Prof. Dr. Aaron Praktiknjo, Marius Tillmanns und Jakob Kulawik (RWTH Aachen) sowie Dr. Lars Nolting und Jasmin Denner (TenneT) und Nikolai Klempp (TransnetBW).
Zentrale Erkenntnis des Beitrags ist, dass die Übertragbarkeit vieler der diskutierten Annahmen begrenzt ist. Ein wesentlicher Teil der Argumentation basiert auf theoretischen Modellen, deren Aussagekraft für reale Marktsituationen nur eingeschränkt gegeben ist. Die identifizierten Risiken sind daher nicht grundsätzlich zu verneinen, ihre tatsächliche Relevanz lässt sich jedoch nicht ausschließlich auf theoretischer Basis bewerten.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die praktische Erprobung an Bedeutung. Das Projekt DataFleX setzt genau an dieser Stelle an: nicht als bereits festgelegter Marktmechanismus, sondern als gezielte, großskalige Erprobung unter realen Systembedingungen.
Gleichzeitig sollte die Diskussion stärker um die bestehenden Chancen ergänzt werden. Vor dem Hintergrund, dass dynamische Netzentgelte für Niederspannungsflexibilitäten im Rahmen von AgNes derzeit nicht weiterverfolgt werden, stellt Redispatch 3.0 mit seinem Flexbandkonzept eine zentrale Option dar, um vorhandene Flexibilitätspotenziale für die Netzdienlichkeit zu nutzen – ohne zusätzliche Investitionen in neue Assets.
E-Bridge unterstützt im Rahmen von DataFleX TenneT bei Fragen des Marktdesigns sowie TransnetBW bei der praktischen Umsetzung der Pilotierung. Erste Zwischenergebnisse zeigen, dass sich die identifizierten Risiken durch geeignetes Monitoring und ein gezieltes Marktdesign begrenzen lassen, während gleichzeitig die bestehenden Potenziale erschlossen werden können.
Gerald Blumberg | Christina Kockel
et – Energiewirtschaftliche Tagesfragen 26_6_Redispatch 3.0

